Ich bin nun eine Woche hier in Indien und habe schon zwei Hochzeiten miterlebt. Eine davon war hier in Naganahalli, die andere in einem Dorf nahe Mysore. Ueber die letztere moechte ich berichten. Ich bin mit Father Joseph am Vortag zu einem seiner Freunde gefahren. Wir haben dort uebernachtet und sind dann am naechsten Tag zum village gefahren, wo die marriage stattgefunden hat. Bei dieser Hochzeit haben ungefaehr an die tausend Gaeste teilgenommen. Und dabei ist diese Familie noch nicht einmal reich. Man hat mir gesagt, sie gehoere der Mittelschicht (moderate) an. Die Messe wird von etwa dreissig Priestern gehalten, wovon ich die Haelfte kenne. Die Priester sind naemlich untereinander befreundet und sie freuen sich Europaeer kennenzulernen. Der Ritus ist sehr festlich, ich bin in der Naehe der Musikgruppe. Bei den meisten Hochzeiten, in laendlichen Gebieten eigentlich nahezu allen, handelt es sich um “arranged marriages”; d.h. fuer die Wahl der Braut bzw. des Braeutigams sind nicht emotionale Gruende ausschlaggebend, sondern vor allem Familienhintergrund, Charakter, gesellschaftliche Stellung. Ich habe zwei Priester gefragt, ob denn auch “love marriages” stattfinden. Es gibt solche immer mehr in den Staedten, sie weissen aber eine hohe Scheidungsrate auf, da die Familie oft nicht mit der Wahl des Partners einverstanden ist und dem Paar Steine in die Wege legt. Ich habe die arrangierten Hochzeiten aber nicht unbedingt als negativ empfunden, u.a. weil sie moeglicherweisse Scheidungen vorbeugen. Natuerlich haben solche Ehen auch Probleme, Father Sunil (er ist Jesuit und macht in unserem Dorf Dienst) hat mir davon ein bisschen erzaehlt.
Nach der Messe geht es weiter in das Haus des Braeutigams, wo weitere Festlichkeiten stattfinden. Ich darf auch in das Haus. Dort zeigt mir Father Guru (ich nenne ihn so, weil er mit langem Bart und langen Haaren ein bisschen wie ein hinduistischer Priester aussieht) die grossen Toepfe, in denen das Essen fuer die Gaeste zubereitet wird. Danach gehen wir weiter ins Freie, wo viele Stuehle aufgestellt sind, vorne eine kleine Buehne mit zwei thronaenlichen Sesseln fuer das frischvermaehlte Paar. Nun wird eine Zeremonie abgehalten, die typisch fuer diese Gegend ist. Das Paar setzt sich in zwei Stuehlen gegenueber und sie halten eine aufgebrochene Kokosnuss gemeinsam in ihren Haenden. Nun kommen alle Gaeste (vorwiegend Familienangehoerige und Freunde) nach vorne und schuetten Kokosmilch ueber die Haende von Braut und Braeutigam und streuen dann Reis auf ihre Haeupter. Diese Brauch geht auf die biblische Verheissung Jahwes an das Volk Israel zurueck, die heisst, die Israeliten werden in das Land gefuehrt, in denen Milch und Honig fliessen. Dem Brautpaar wird durch diesen Ritus Glueck, Zufriedenheit und Fuelle fuer ihr Eheleben gewuenscht. Ich darf auch nach vorne und giesse Milch und sreue Reis. Dabei gibt es allgemeines Gekichere. Danach werde ich in den Bereich gefuehrt, wo die geladenen Priester und Nonnen das Hochzeitsmahl bekommen. Reis, Curry (Sauce, die ueber den Reis gegossen wird, aber nicht unbedingt das Gewuerz Curry enthaelt), verschiedene Sorten Fleisch, Fladenbrot, Suesses und Bananen oder andere Fruechte. Nach dem Essen bleiben wir noch eine Weile und fahren dann bald zurueck.
Neben der Hochzeit wird auch das Begraebnis sehr feirlich begangen. “very sentimental” sind diese Feierlichkeiten. Heute war hier im Dorf eine Gedenkfeier fuer eine Frau, die vor 14 Tagen gestorben ist. Es sind wieder ueber zwanzig Priester hier gewesen. Das Mittagessen war fuer mich meine Feuertaufe – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Koechin hier im Pfarrhaus kocht sonst immer sehr “moderate” aus Ruecksicht auf mich. Dieses Mal haben aber dreissig Inder zu Mittag gegessen und nur ein Europaer. Ich habe mir reichlich geschoepft und dann sind die Traenen nur so geflossen. Very sentimental.
Heute beim Abendessen habe ich den beiden Mitbewohnern (Father Sunil und ein Seminarist) versucht einen Sarnerwitz zu erzaehlen. Ich bin sonst schon kein guter Witzeerzaehler, aber ein Sarnerwitz auf Englisch! Da kommt das aergste Scherzkeks ins Schwitzen. Trotzdem haben sie die Pointe verstanden, ich habe aber glaube ich am meisten ueber den Witz gelacht.
Also, liebe Gruesse an alle, besonders nach Deutschland.
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6 Kommentare:
do enten in Indien wearsch di woll holbwegs obhärten zwecks schorfes essen... hmmm.... do kriag i direkt hunger!
wia schmeckt suscht di kuchl??? holbwegs guat oder lei so lala...?
Essen isch volle guat! very tasty, sometimes holt bissl spicy!
wies scheint geats dir gonz guet, do wearsch eh a bor kilo o nehmmen :-)
viel spaß no und los dirs guet gien!!
kant man a bor fotos sechn?
toby
an sarnerwitz in di inder zu derzeln konn ober a lei dir einfolln...
hoi benni
i woas nit ob du es schunn gheart hosch oder glesen: di luzi lintner isch in bolivien tödlich verunglückt(beim versuch an fluss zu überqueren isch sie von den fluten mitgrissn worden)... sehr schode um diesen interessanten und wertvollen meschen..
dir weiterhin guaten aufentholt und mochs guat..
lg diz
Kuane Sorge, bis du zrugg kimmsch, hobn mir dir do schun a lukrative Ehe arrangiert.
I kenn do sou an Bauunternehmer, an guatn Freind vun Luis. In semm seine Tochter, sell war decht a Fong. Isch grod auf Entziehungskur, obr bis du zrugg kimmsch, wertse schun wieder herausn sein.
;-)
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