Ich sitze nun hier am Computer in unserem Wohnzimmer und schreibe diesen Bericht. Ich sitze da und staune. Ich staune darüber, wie reich unsere Wohnung ausgestattet ist. So viele Möbel, Einrichtungsgegenstände - die Bettwäsche ist so schön bunt und wertvoll!
Mein erster Eindruck von Europa war ein interessanter. Alles ist so perfekt! Die Menschen sind perfekt, ich meine das wirklich so P E R F E K T gekleidet, haben hypermoderne Mobiltelefone, diese ganzen Autos, die Strassen sind so sauber, die riesigen Gebäude. Europa ist steinreich! S T E I N R E I C H!
Ich bin ueber Frankfurt nach Mailand geflogen, habe dort den Zug über Verona nach Bozen genommen. Die unglaublich schöne Südtiroler Landschaft hat mich überrascht und in Bann gezogen. Südtirol begrüsst mich mit blühenden Apfelbäumen und milder Frühlingssonne. Trotzdem ist mir eng um das Herz. Als ich im Zug sitze, muss ich manchmal aufatmen, Indien fehlt mir. Am Bozner Bahnhof dann (endlich) ein Lichtblick: ein dunkelhäutiger Mann! Wahrscheinlich aus der Gegend um Indien. Kann auch ein Pakistani oder Bangladeshi gewesen sein. Egal. Mein Mundwinkel ziehen sich automatisch nach oben.
India has caught my heart!
Dienstag, 22. April 2008
Sonntag, 20. April 2008
Last Goodbye*
Heute verbringe ich meinen letzten Tag hier in Naganahalli. Ich war heute vormittag in der Messe. Vor dem Schlusssegen war es dann soweit, ich hatte schon einige Zeit vorher Herzklopfen: meine Abschiedsrede. Wie es bei allen Feierlichkeiten ueblich ist, habe ich einen Schal und einen Blumenkranz aus Holzblumen umgelegt bekommen. Die letzte Zeit habe ich versucht, meine Umgebung nochmals ganz bewusst wahrzunehmen; all jene Dinge, die mir jetzt schon so vertraut sind, die in Europa aber anders sind. Die Menschen. Bei den Maennern der standardmaessige Schnauzbart, die bunten Saris und Churidas der Frauen, die froehlichen Kinder. Der Geruch in der Luft, das warme Klima (zurzeit ist es sehr warm, ueber 30 Grad). Der Klang der Sprache, der Lebensrythmus. Drei schoene, erfahrungsreiche Monate gehen zu Ende. Mein Freiwilligeneinsatz in Suedindien - wohl eine Lebenserfahrung.
Freitag, 11. April 2008
crab catching
Heute gab es fuer mich ein interessantes Erlebniss: Joseph, ein an die 70 Jahre alter Mann, hat mich mit zur Krabbenjagd genommen. Wir hatte schon zweimal Krabben gegessen, die Joseph gefangen hatte. Am heutigen Vormittag sind wir dann durch das Dorf zum Fluss gegangen, wo man die Dinger fangen kann. Bis man aber das Dorf durchquert hat, vergeht schon einige Zeit, da man bei fast jedem zweiten Haus zum Tee eingeladen wird. Wir nahmen dann ein paar Enkel von Joseph mit, die ungefaehr in meinem Alter sind und bei der Krabbenjagd behilfich waren. Nach zehnminuetige Marsch waren wir dann beim Fluss. Dann hiess es weg mit den Sandalen, Hosen hochkrempeln und hinein in das Wasser. Der Fluss war an die 3 Meter breit und ungefaehr bis zur Huefte tief. Als wir in den Bach hineingewatet sind, ernteten wir ein paar boese Worte von ein paar Frauen, die 20 Meter flussabwaerts Waesche waschten. Wir liessen uns aber nicht stoeren und schon ging die Jagd los: zwei Jungen hielten das provisorische Fischernetz (es war ein umfunktioniertes Moskitonetz) dicht an die Krabbenloecher, die sich entlang des Flusses unterhalb der Wasseroberflaeche befanden. Wir waren bald erfolgreich. Wir konnten insgesamt an die 10 bis 15 Krabben fangen, aber auch allerhand anderes Getier. Fische, Aale(snakefish), prawns (auf gut italienisch gamberetti) und einmal ging uns sogar eine Schlange ins Netz. Zuvor hatte ich mich schon bei den Jungen beschwert, dass ich hier in Indien noch keine Schlangen gesehen habe. Die Krabben genossen wir dann heute zum Abendessen. Und obwohl zurzeit mein Verdauungssystem nicht zu hundertprozent funktioniert, liess ich mir das zarte Krabbenfleisch schmecken!
Montag, 31. März 2008
send off
Langsam wird es hier still rund um das Schulgelaende. Die Schueler haben die meisten Pruefungen hinter sich und obwohl eigentlich noch bis 10. April Schule waere, sind heute die Klassenraueme in der Oberschule leer geblieben. In der Volksschule hat heute das sogenannte send off, das heisst die Abschlussfeier stattgefunden. Neben vielen Tanzeinlagen und Dankesreden, spielten die Kinder auch ein selbst erfundenes Theaterstueck. In einer Szene spielten sie eine Schulsituation nach, in der ein afrikanischer Gast in die Klasse kommt, begleitet von einem indischen Lehrer. Die Art wie er nach den Namen der Kinder fragte, machte mich ein wenig stutzig. Als dann der Satz kam: "I am sing song", was so viel heisst, "Ich singe euch jetzt ein Lied vor", wusste ich, dieser afrikanische Gast, war eigentlich ich. Ich war naemlich ein paar mal in die Volksschule gegangen und hatte mit den Kindern gesungen. Am Anfang meines Aufenthalts war ich auch von Klasse zu Klasse gegangen und hatte mit den Kinder gesprochen, in Begleitung von Father. Es war einfach zum Lachen!
Samstag, 29. März 2008
girls
Ich konnte heute neuerdings erfahren, wie scheu die Maedchen hier im Dorf sind. Heute vormittag bin ich zur Schule gegangen, die ja nur 2 Gehminuten entfernt liegt. Ich wollte nicht zum Unterrichten, sondern ich war auf der Suche nach Brother. Brother werden hier jene jungen Maenner genannt, die im Priesterseminar sind und nach 12-jaehrigem Studium (!) zum Priester geweiht und dann Father genannt werden. Als ich sein Zimmer erreichte, das sich im Schulgebaude der Volksschule befindet, waren dort zwei Maedchen aus der 10. Klasse, also an die 15 Jahre alt. Da ich die Kamera dabei hatte, wollte ich schnell ein paar Fotos von den beiden girls schiessen. Das einzige Problem: als die Maedchen im Raum waren und ich nach drinnen wollte, um das Foto zu knipsen, gingen, nein, fluechteten sie nach draussen. In mir stiegen Erinnerungen an die neuliche Huehnerjagd hoch. Als die Maedchen naemlich draussen waren, ging ich auch nach draussen, um endlich das erwuenschte Foto machen zu koennen. Die Maedchen wieder nach drinnen. "Please only one foto" - mein gutes Zureden half auch nicht weiter. Erst als Brother sie aufforderte sich fotografieren zu lassen, konnte ich ihr scheues Laecheln auf das Display meiner Kamera bannen.
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